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pic 1 1 022 01vGymnasiale Oberstufe

MCG-Schüler/innen gestalten Erinnerungstafel

Eine weitere Nahststellentafel erinnert an die jüdische Familie Frank in Herne-Sodingen. Unsere Projektgruppe des Abiturjahrgangs 2019 hatte die Geschichten der Sodinger Familie für das Gedenkprojekt recherchiert.

Am 11. November 2019 wurde die Tafel auf dem Platz Mont-Cenis-Straße/Ecke Kantstraße installiert. Familie Frank öffnete in Sodingen ein eigenes Kaufhaus. Die Geschichte der Familie Frank wurde im Unterricht mit Ralf Piorr und Geschichtslehrerin Céline Spieker für den jährlichen Holocaust-Gedenktag 2017 erarbeitet. Das Ehepaar Julie und Louis Frank kam 1910 nach Sodingen und eröffnete in der damals aufstrebenden Bergarbeiterstadt Herne ein Kaufhaus für Textilwaren. Ab 1933 wurde das Geschäft auf der Mont-Cenis-Straße von den Nazis boykottiert. Nach der Pogromnacht am 9. November 1938 wollten Julie und Louis Frank mit ihrer Familie aus Deutschland fliehen. Vergeblich: Bis auf die beiden Söhne Werner und Kurt, die sich ins Ausland retten konnten, fiel die Familie Frank den Nationalsozialisten zum Opfer: Tochter Ruth Frank starb im Konzentrationslager Stutthof, Julie im Ghetto Theresienstadt und Louis im Vernichtungslager Treblinka.

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Auf der Erinnerungstafel für die Familie findet sich ein eindrucksvolles Zitat von Werner Frank, der 1947 als US-Soldat das Haus an der Mont-Cenis-Straße besucht hat: „Ich stand am Denkmal und sah auf die Fenster unseres Wohnzimmers und das Schlafzimmer unserer Eltern. Und plötzlich sah ich meine Mutter und unseren Vater und an dem anderen Fenster Ruth. Es schien mir, als ob sie mir zuwinkten. Ich wurde wie Stein. der Schweiß stand mir auf der Stirn. Ich wusste nur eines, dass ich wegmusste und nie mehr zurückkommen würde.“

„Nahtstellen, fühlbar, hier …“ heißt das Projekt der Stadt Herne und Wanne-Eickel. Im Mittelpunkt stehen Gedenktafeln, die an das jüdische Leben in Herne und Wanne-Eickel hinweisen, das von den Nazis vernichtet wurde. Unter der Regie des Herner Historikers Ralf Piorr wurden diese „dezentralen Erinnerungsorte“ in den vergangenen Jahren geschaffen. Daran beteiligt war auch unsere Schule mit der jetzt aufgestellten Tafel.

Dr. Frank Dudda sagte bei der feierlichen Präsentation der Gedenktafel am 08. November 2019 an der ehemaligen Synagoge in Wanne: „Der heutige Gedenktag ist ein passender und würdiger Anlass, die Erinnerungstafeln zur Geschichte der Familie Frank und Wertheim vorzustellen. Hinter diesen Tafeln steckt viel Engagement und Arbeit der Schülerinnen und Schüler, die sich im Rahmen des Geschichtsunterrichts und gemeinsam mit Ralf Piorr mit der NS-Zeit in Herne auseinandergesetzt haben. Allen Beteiligten dieses Projekts möchte ich ganz herzlich danken. Ihr tragt dazu bei, dass die Erinnerungskultur in unserer Stadt so lebendig bleibt“.

Zwölf Gedenktafeln in Herne verweisen als „Nahtstellen“ auf die Orte jüdischen Lebens in der Stadt. Weitere Informationen gibt es auf den Seiten der Stadt Herne.

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